Samstag, 9. Februar 2008

Zum Religionsunterricht - Obere Mittelstufe

Inhaltliches - Allgemein


Die Abgrenzung der Themen nach oben und unten ist nicht eindeutig zu beantworten.

Vielmehr wird man darauf sehen, dass man die jeweiligen Inhalte eben der Reife der Kinder entsprechend verwandelt und behandelt.

Grundsätzlich wird man neben seelischer und gefühlsmäßiger Vertiefung jetzt stärker auf Bewusstmachung hinarbeiten.

Bei allen Themen, bei jeder Vorbereitung sich vor die Seele stellen: Wie bringe ich durch die nächste Stunde, durch den nächsten Stoff die Kinder dem Christus und dem wahren Christentum wieder ein Stück näher.


Methoden


Immer im Gespräch die Dinge aus den Kindern herausholen. Sie nicht durch zu viel Erzählen oder Darstellungen seitens des Lehrers oder durch Schreiben, Malen Abschreiben in der Passivität halten.

Bei Erzählungen (Geschichten, Biographisches) in diesem Alter gründlich den geographischen, historischen, sozialen, politischen usw. Rahmen erarbeiten. Die Kinder sollen die Geschichten, wenn sie erklingen, sofort gut in die Zusammenhänge hineinstellen können und verstehen. Alle Erklärungen immer vorher, nicht hinterher!

Wenn in einer Klasse viele Kinder eher sich passiv verhalten, immer wieder Momente einbauen, wo z.B. alle Kinder Fragen, die man sonst im Gespräch stellen würde, auf einem Blatt beantworten. Nicht Wissensfragen, sondern: “Was meinst du zu dieser oder jener Sache?“, „Was wäre, wenn ......(der Christus nicht erschienen wäre)?“ Also Fragen, die die konstruktive Phantasie anregen. Hinterher ein nicht bewertendes Gespräch über die Niederschriften kann Klassen ziemlich aufwecken und alle zur Teilnahme anregen.



Einzelne Themen

Selbstverständlich handelt es sich nur um einzelne Elemente aus der Fülle möglicher Themen
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Umschwung Altes Testament/Neues Testament


Die verschiedenen Stimmungen wie z.B. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und „Liebe dein Feinde“ lebhaft herausarbeiten und kontrastieren. Die Kinder werden zutiefst davon ergriffen und müssen sich überwinden. Dabei immer deutlich machen, welchen Fortschritt das Christentum doch bedeutet. Wie einerseits die Seelenkräfte noch am Alten haften, andererseits das moderne Bewusstsein das Neue fordert.

Manches kann durch Tolstois Volkserzählungen hier illustriert werden.

Die Abwärtsentwicklung der Menschheit bis Golgatha deutlich machen: Herodes, Makkabäer, Römer. daneben die Vorbereitung der Christus-Inkarnation im jüdischen Volk (Reinerhaltung des jüd. Blutes, Wirken der Propheten, Prophezeiungen des Messias)

Aufnahme des Christusimpulses in der Menschheit (Paulus, Petrus - Märtyrertum)

Der neue Gesichtspunkt der Gleichheit der Menschen (verschiedene Völker verbinden sich diesem Impuls, Reiche und Arme, die Kaiserin und die Sklavin – alles völlig neu)

Warum setzt sich das Christentum so schnell in der Welt durch? (Dekadenz der alten Götter- s.a. Baalskult und Elias, die alten Götter „schweigen“ in den Mysterien). Symbol dafür ist auch Konstantin, der die neue Kraft des Christus spürt und einsetzt.


Weihnachtsgeschichte im Evangelienvergleich


In der 7. oder 8. Klasse kann man auch die Weihnachtsevangelien nach Lukas und Matthäus im Vergleich lesen und die Unterschiede Stück für Stück herausarbeiten; auch die beiden Stammbäume vergleichen und die Phänomene ganz undogmatisch und unbefangen wirken lassen


Neues Testament – Gleichnisse


Im Hauptunterricht dieser Altersgruppe taucht auch das Thema „bildhafte Ausdrücke“ auf. In diesem Zusammenhang kann man ausführlich auch Gleichnisse aus den Evangelien behandeln. Nicht als Geschichten, sondern als Gleichnisse für das Geistige. Man kann im Gespräch die Klassen dahinführen, dass sie selber darauf kommen, was es wohl bedeuten mag, wenn einer auf einen Berg steigt oder in ein Tal geht; oder wenn einer in die Wüste geht; was bedeutet der Begriff des Tempels; in der Bibel übersetzt der Christus ja selber Gleichnisse den Jüngern.

Irgendwann wird man auch Märchen behandeln und gemeinsam mit der Klasse die Bilder nach und nach übersetzen; z.B. Frau Holle.

Ansatzpunkt können auch Rätsel sein, durch die die Kinder naturgemäß schon mit der Bildersprache vertraut sind.


Seelenkalender


Rudolf Steiner begrüßte es auch, die Wochensprüche aus dem Seelenkalender einzuführen.

Ein Beispiel: 47.Woche 23.Feb. – 1. März

Es will erstehen aus dem Weltenschoße,

den Sinnenschein erquickend, Werdelust.

Sie finde meines Denkens Kraft

Gerüstet durch die Gotteskräfte,

Die kräftig mir im Innern leben.


Man kann den Spruch an die Tafel schreiben und darüber sprechen. Man kann im Gespräch herausarbeiten lassen, dass der erste Teil den Blick nach außen richtet, der zweite nach innen; es geht um die Polarität Welt-Mensch. Ähnliches ist fast bei allen Sprüchen möglich; oder man kann fragen, welcher Begriff am häufigsten auftaucht: Kraft, kräftig, ... kräfte.

Man wird auf die Wechselwirkung zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, dem Innen und dem Außen eingehen.

Auch das Herausgreifen eines einzelnen Wortes „Werdelust“ ist sinnvoll. Man spricht über das Wesen der „Lust“ beim Menschen: „Ich habe keine Lust!“ „Ich habe Lust zu schwimmen!“ Die seelischen Regungen recht lebhaft, vielleicht auch humorvoll besprechen und dann deutlich machen, dass eben genau das im lebendigen Wesen der Erde vor sich geht und im Frühling die Pflanzenwelt hervorbringt.


Mission des Menschen auf der Erde


Dieses Thema taucht bei den Lehrplanangaben auf. Ein großes Thema. Man wird sich dabei auch im Umkreis der Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens bewegen. Gewöhnlich hat man in diesem Alter heute kaum „fromme“ oder „religiöse“ Kinder, sondern die tonangebenden Kinder können ja auch sehr kritisch - ja geradezu nach außen hin atheistisch sein. In meinen Gruppen überwogen bisher fast immer diese Kinder. So ist man gefordert, sehr vorsichtig vorzugehen und oft nur auf Umwegen das Thema zu erarbeiten. Wichtig ist dann, dass die wesentlichen Aussagen aus Schülermund kommen und nicht aus Lehrermund.

Man kann das Thema so aufbauen:

„Was ist der Sinn der mineralischen Welt – von Stein, Fels, Erde?

„Was ist der Sinn der Pflanzen?

„Was ist der Sinn der Tiere?

Und schließlich fragt man nach dem Menschen. Solche Gespräche könne ganz überraschende Ergebnisse bringen. In der Logik der Entwicklung können sich die Kinder oft nicht den positiven Aspekten verschließen.

Oder man kann die Frage stellen: “Wen empfindet ihr als einen im positiven Sinne berühmten und bedeutenden Menschen.“ Wenn man dann weiter fragt, warum man diese oder jene Persönlichkeit erwähnt, dann taucht man immer tiefer ein und es kristallisiert sich viel Wesentliches der menschlichen Existenz heraus.

In einem Versuch hatte ich versäumt zu betonen, dass man Menschen nennen möge, die in positivem Sinne sich verdient gemacht haben, da wurden überwiegend die negativen Größen unserer Menschheitsgeschichte genannt. Das zwang uns dann den wesenhaften Unterschied einer guten und einer „schlechten“ Tat herauszuarbeiten. Die Klasse kam dann darauf, dass das Gute meist irgendwie eher selbstlos ist; beim „Bösen“ aber eher das Selbst sich in den Mittelpunkt stellt.

In einer anderen Situation nannten dann Schüler Christus, Franziskus o. ä. – Das sagten sie nur, um mir einen Gefallen zu tun. Ich musste sie dann erst davon überzeugen, wirklich aus ihrem eigenen Wesen heraus zu sprechen.

Eine Klasse stellte dabei auch fest, dass so viele bedeutende Menschen für ihre guten Taten mit dem Leben bezahlen. Dies kann man weiter bearbeiten.

Manchmal kann es auch möglich sein, die Kinder selber ihre Lebensziele formulieren zu lassen. Dabei muss man aber gut abspüren, ob das Vertrauen zwischen den Schülern und zwischen Schüler und Lehrer groß genug ist, sonst kommt man nicht an Wahrheiten.

Man kann recht gut erarbeiten, welcher Unterschied darin liegt, äußere Lebensziele (Erfolg, Reichtum) zu erreichen gegenüber innern (Mut, Wahrheitssinn, Gewissen). Wie doch letztlich alles darauf hinausläuft, innere Entwicklungen zu machen.

Und wie dadurch unsere ganzer Planet vorankommt und wie er ersterben muss, wenn nur äußere Ziele erreicht werden wollen.


Das Mitgebrachte


An besonderen Persönlichkeiten, z.B. Genies wie Mozart, kann man die Frage des in dieses Leben Mitgebrachten behandeln. Steiner erwähnt Goethe, Jean Paul – das ist aber in diesem Alter relativ schwierig, da diese Persönlichkeiten im Hauptunterricht recht spät behandelt werden, manchmal ja auch in der 9.Klasse.

In unseren Breiten kann man auch Gauß als Beispiel betrachten. Leider findet man aber kaum Personen, wo sich das Genie mit einer wahren tiefen Geistigkeit verbindet.

Man wird auch deutlich machen können, wie in der eigenen Klasse jeder über unterschiedliche Begabungen verfügt und wie man eben nicht alles durch äußere Umstände erklären kann, sondern eben nur durch die eigene Individualität. Dabei vermittelt man den Kindern, dass man nur durch Lernen vorankommt. Wenn also jemand etwas schon kann, oder ganz schnell kann, dann hat er sich das nicht jetzt erworben, sondern er hat sich jetzt durch die Anregung des Lehrers oder der Welt wieder daran erinnert. Das wirkliche Neu-Erlernen ist immer mühsam. Man kontrastiert dabei fast übertreibend, um es eben ganz deutlich zu machen, dass es der Begabte eigentlich viel schwerer hat, Neues zu lernen, als der, der zunächst unbegabt erscheint. Die Kinder sollen in diesem Zusammenhang das lebhafte Gefühl bekommen, dass der bedeutsamste Lebensinhalt im Lernen besteht.

Damit schließt sich das Thema wieder an das vorige über den Sinn des Lebens und die Mission des Menschen auf der Erde an.