Zum Umgang mit Fragen wie Alkohol und Drogen
Es kommt immer wieder zu Unterrichtssituationen, wo Schüler den Wunsch äußern, über Themen zu sprechen, die sie „interessieren“. Schnell fallen dann Begriffe wie „Alkohol“ und „Drogen“ usw. Ungünstig ist, wann man diese Wünsche direkt zurückweisen würde. Es besteht ja schon ein Problem darin, dass es zur Äußerung dieser Wünsche überhaupt kommt. Man hat dann vielleicht mit seinen Unterrichtsinhalten die Seelen dieser Kinder nicht so richtig erreicht. Die Zurückweisung der Schülerfragen hilft dann auch nicht weiter. Besser ist es wohl, wenn man darauf eingeht und sie eben entsprechend mit Geist durchdringt, so dass damit das Religiöse befördert werden kann. Nicht gemeint ist, dass es angebracht sei, irgendwelche Moralurteile über den Genuss oder Gebrauch dieser Dinge abzugeben. Ohne Urteil und deshalb ohne Scheu kann man die Sachverhalte klären.
Unklar bleibt oft für den Religionslehrer, ob im Hauptunterricht z.B. in der Menschenkunde/Ernährungslehre die Dinge so dargestellt wurden, dass sie die Seelen erfüllt haben. Dennoch kann man im Religionsunterricht manches wiederholen, ergänzen oder nachholen. Und ganz organisch kann man diese Inhalte mit dem Geistig-Religiösen verbinden, dazu wird man allerdings mehrere Unterrichtsstunden benötigen.
Schon z. B. am Umgang mit dem Seelenkalender oder aus vielen anderen Zusammenhängen kennen die Kinder die Wechselwirkungen von Mensch und Welt, von innen und außen. Man wird immer wieder das Verständnis dessen gepflegt haben, dass der Mensch in zwei Welten lebt. Man kann dies nun noch einmal im Gespräch und mithilfe der Tafel entwickeln. Man erläutert nur die Fragestellung und verschafft einen kurzen Gesprächseinstieg, dann ergänzen die Kinder mit polaren Begriffen:
Schülerbeiträge: Seele - Körper
geistig- menschlich
himmlisch- irdisch
unbewusst- real
göttlich- menschlich
luftig- fest
überleicht- hart
religiös- ?
Die Beiträge bleiben unkommentiert. Auch wenn Mitschüler mit einem Beitrag nicht einverstanden sind, so sollen sie lieber einen anderen, besseren Vorschlag machen. Man kann dann die Frage anschließen, wie oder wann wir diese Innenwelt im Gegensatz zur Außenwelt erleben können.
Man wird dann verdeutlichen, wie der Körper unser wichtigstes Werkzeug für den Umgang mit der Außenwelt ist und wie wir durch seine Tätigkeit und die Sinneserfahrungen in Lebens- und Lernprozessen stehen. Außerdem ist er vergänglich, wird alt und stirbt,
Unser Innenleben, unser Bewusstsein, unser Ich steht dazu in völligem Gegensatz, Es nimmt die Erfahrungen auf, wächst und weitet sich - schon im Erleben der Schüler. (Man kann nun über die Bedeutung des Lernens, des Sichentwicklens als eigentliche Lebensaufgabe Ausführungen machen.) Hier sind wir einmalig, individuell. Man kann sich nicht vorstellen, dass es etwas Sterbliches an sich hat.
Nun wirken diese beiden Welten oder Wesenheiten immer in unterschiedlicher Weise bei uns zusammen:
Man erarbeitet, wie die beiden am Tag zusammenwirken, im Schlaf, im Traum, im Tode. Passend ist hier auch das Bild der Marionette und des Marionettenspielers.
Und nun kann man die Schüler beschreiben lassen, welche Phänomene man am Menschen unter Alkoholeinfluss beobachten kann: Heiterkeit, Lockerheit, Redseligkeit, Enthemmung, Gewalt, Übelkeit, Müdigkeit, Schwindelanfälle, Kater (Schüleräußerungen).
Man verdeutlicht nun, dass der Alkohol die Verbindung zwischen dem Ich und seiner Macht über den Körper löst. An der Enthemmung oder Gewalttätigkeit wird deutlich, dass nun „etwas anderes“ wirkt. Wenn das Ich nicht wirken kann, wirken eben andere Kräfte. Es ist gut, das nicht zu deutlich zu benennen und dadurch zu bewerten.
Hinführen könnte man eher zu den früher verwendeten Begriffen „Weingeist“ oder „Spiritus“. Das wirkt humorvoll und schafft erleichternde Distanz für die Schüler.
Dazu ist sehr hilfreich Hauschkas „Ernährungslehre“. Eventuell fügt man hier kurz etwas zur Entstehung von Alkohol ein im chemischen Sinne ein. Hier besteht wieder die Frage, wie es sich mit dem Hauptunterricht verbinden lässt. Aber selbst, ohne dass es schon in der Chemie behandelt wurde, kann man vermitteln, dass es sich beim Gären um einen Prozess des Zerfallens handelt, der Lebensprozess geht in einen Todesprozess über.
Die Wirkung des Katers kann man bildhaft charakterisieren mit dem Hammer, der den Nagel in das Holz treibt. So wird das Ich nach der Lösung durch den Alkohol wieder mit Wucht in den Körper hineingetrieben.
Es können auch historische Ausführungen möglich sein, wie der Alkohol (von den Mysterien) in der griechischen Zeit zur Entwicklung der Menschen eingesetzt wurde (Dionysoskulte).
Heute sitzt der „Nagel“ wohl fast schon zu tief im „Holz“. Selbst das verstehen die Schüler unmittelbar.
Weiter ist es möglich auf Brot und Wein im Abendmahl einzugehen und die Erde als Leib des Christus zu charakterisieren: „Der mein Brot isset, tritt mich mit Füßen“. Gleichnis vom Wasser und Wein.
Ähnliches könnte man auf Drogen oder Tabak übertragen, wo statt des Zucker-Alkoholprozesses ein Eiweiß-Alkaloidprozess vorliegt. -Auch hier gibt es gute Hinweise bei Hauschka.- Wir kommen zum Begriff des Giftes und damit der noch stärkeren Störung des Verhältnisses von Körper und Bewusstsein.
D.C.
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