Religionsunterricht – Lehrplanangabe Rudolf Steiners für obere Klassen
LAOKOON
"Dann, nicht wahr, ist es ein sehr gutes Bild, das wirklich bis ins Religiöse hinaufgetrieben werden kann, wenn man den Leib des Laokoon erklärt. In Wirklichkeit ist es so beim Laokoon, dass der Ätherleib sich trennt und dadurch der physische Leib diese Verrenkungen macht. Dieses Zerbrechen des physischen Leibes beim Laokoon, das ist etwas, wo man viel daran demonstriere kann. Man müsste eine Gruppe haben. Aber es ins Religiöse heraufheben, diese Scheu vor dem sich auflösenden Menschenkörper."
Aus: GA 300a S.226 – Konferenzen
Weitere Hinweise:
Aus GA 58, S.160f„Metamorphosen des Seelenlebens“
Wenn wir die Gruppe ansehen, und ein unmittelbares Empfinden haben, dann werden wir uns klar darüber, dass wir in der Laokoon-Gruppe den ganz bestimmten Moment gegeben haben, wo durch die Umringelung der Schlangen dasjenige, was wir das menschliche Ich nennen, aus dein Leibe des Laokoon heraus ist, wo die einzelnen des Ich entblößten Triebe, ein jeder bis in das Körperliche hinein, ihren Weg gehen. So sehen wir, wie der Unterleib, der Kopf, jedes einzelne Glied seinen Weg geht und nicht in einen charaktervollen Einklang gebracht werden mit der äußeren Gestalt, weil das Ich eben entschwunden ist.
Ein solcher Moment, der uns im Äußerlich‑Körperlichen zeigt, wie der Mensch den einheitlichen Charakter verliert, wenn das Ich schwinde,t das als starker Mittelpunkt selbst die Leibesglieder zusammenfügt, ein solcher Moment ist uns im Laokoon dargestellt. Und gerade, wenn wir so etwas wirken lassen auf unsere Seele, dann dringen wir bis in jenes Einheitliche vor, das sich uns als das Zusammenstimmende der Leibesglieder ausdrückt, das hineinprägt dasjenige, was wir den menschlichen Charakter nennen.
Aus GA 211, S.88
„Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung“
Nehmen Sie den entgegengesetzten Fall: Es sei gar keine Veranlassung da, daß das Ich und der astralische Leib aus dem physischen und aus dem Ätherleib heraus sollen, und dennoch, sie werden herausgetrieben, weil der physische und der Atherleib von außen zerstört werden, weil sie genommen werden dem Ich und dem astralischen Leibe. Da müssen also dieses Ich und der astralische Leib heraus. Aber indem von außen zerstört werden physischer Leib und Ätherleib,bekommen sie eine Form, welche auf der einen Seite der Zerstörungskraft folgt, auf der anderen Seite förmlich sichtbar macht, wie das Ich und der astralische Leib herausgedrängt werden. Bei Niobe braucht das nicht zu sein; da ist es plötzlich. Aber nehmen Sie an, Niobe würde nicht dadurch, dass sie das Leichenfeld ihrer Sprößlinge ansieht, herauseilen aus ihrem physischen und dem Ätherleib, sondern es würde irgendetwas geschehen mit ihrem physischen und mit ihrem Ätherleib, daß die Seele herausgedrängt würde, Da würde man sehen an dem physischen und an dem Atherleib nicht, wie sie zur Bildsäule werden, nicht wie sie erstarren gewissermaßen in der Materie, in der geformten Materie, sondern man würde sehen, wie das Ich da drinnen noch wirkt, wie der astralische Leib sich noch bemüht, den ätherischen Leib zu formen. Das haben Sie ja auch in Griechenland gebildet‑ Das ist der Laokoon. Den Laokoon können Sie verstehen, wenn Sie sich durchdringen mit der Erkenntnis, daß es da entgegengesetzt ist wie bei der Niobe, daß da von außen der physische Leib und der Ätherleib zerstört werden und wie das Ganze kämpft mit dem Ich und mit dem astralischen Leib, die da herausgedrängt werden. So daß Sie in jeder Formung, in der Formung des Mundes, in der Formung des Gesichtes, in dem Halten der Arme, in den Formen, die die Finger annehmen, es dem Laokoon ansehen, daß die Situation wiedergegeben ist, von der ich eben jetzt spreche.
GA 92, S. 103„Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen“
Ende des Priesterkönigtums
Im Streit zwischen Agamemnon und Achilles flammt der Zorn als göttlicher Zorn auf. In der Sage vom Trojanischen Krieg wird dargestellt, wie der alte Priesterkönigstaat, abgelöst wird durch weltliche Königsherrschaft. Denn Troja ist ein Staat, in dem der König unter dem Einfluss der alten Priesterherrschaft steht. Er wird abgelöst von dem Prinzip der weltlichen Klugheit. Das wird sehr schön dargestellt, wie es die weltliche Klugheit ist, die siegt. Odysseus, der Listenreiche, siegt. Er ist der Initiierte der fünften Unterrasse, der seine Initiation durch seine Wanderungen empfing. Die Spiritualität der alten Priester wird abgelöst von der Intellektualität. Das wird auch ausgedrückt durch das Bild der Umklammerung des Laokoon durch die Schlangen. Die Schlangen, das Symbol der weltlichen Klugheit, umgarnen den Priester Laokoon, den Repräsentanten der alten Spiritualität.
