Aus dem Religionsunterricht der 3.Klasse
Nachdem ich an Randbemerkungen immer wieder feststellte, wie unbefangen die Kinder mit dem Thema Reinkarnation umgehen, fragte ich einmal nach, wer sich denn wirklich an etwas erinnere.
Zögerlich meinte ein Mädchen, dass sie viele Kinder gehabt hätte. Ein anderes ergänzte gleich: "Wir waren sieben Kinder. Es war eng, wir mussten zu dritt in einem Bett schlafen."
Ein anderes Mädchen meinte, dass ihr Mann berufliche Schwierigkeiten gehabt habe.
Ein Junge berichtete, dass er auf Safari gegangen sei. Der Löwe oder Tiger habe ihn angefallen und tödlich verletzt.
Ich bin im Panzer gefahren.Es wurde geschossen; eine Bombe fiel auf uns herab.
Bei mit war es so, dass ich mit einem Flugzeug geflogen bin; es stürzte ab. Es war nicht so ein modernes Flugzeug wie heute; es war viel älter.
"Ich bekam eine Krankheit und starb schon mit sieben Jahren..." "Ich starb mit elf!" "Ich war 23." "Ich war schon älter."
Die meisten Kinder, die berichteten, konnten relativ genau ihr damaliges Sterbealter angeben.
Die häufigsten Erinnerungen waren Todeserlebnisse, Krankheit, Unglück, Jagd.
Ein recht fülliger Junge erzählte, dass er Bratwurstverkäufer war. Er hatte immer Schwierigkeiten mit dem Kohlenfeuer. Irgendwie brannte dann seine Verkaufsbude plötzlich; im Qualm fand er den Ausgang nicht mehr und kam so um. Lachend fügte er dann noch hinzu, dass er schlecht verkauft habe, da seine Würste immer etwas angekohlt waren.
Die Erinnerungen kamen meist sehr stockend. Immer wenn ich aber nachfragte, enthüllte sich für die Kinder ein weiteres kleines Mosaiksteinchen. Die Atmosphäre war wohl ansteckend, immer mehr Kinder berichteten. Einer lachte zuerst: Was die wieder für Geschichten erzählt. Bald erzählte er aber selber auch eine Geschichte.
Einer erzählte von zwei verschiedenen Toden. Es kam gleich Kritik. Da meinte er, dass das beim vorletzte Mal gewesen wäre.
Etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Religionsgruppe von über zwanzig Kindern beteiligten sich am Gespräch.
